Kommentar des Erlösers* zu Friedrich Nietzsches

Der Antichrist
Fluch auf das Christentum (32)

Friedrich Nietzsche

Alexander Kloos

                        

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Ich wehre mich, nochmals gesagt, dagegen, dass man den Fanatiker in den Typus des Erlösers einträgt: das Wort impérieux, das Renan gebraucht, annulliert allein schon den Typus.


Die "gute Botschaft" ist eben, daß es keine Gegensätze mehr gibt; das Himmelreich gehört den Kindern; der Glaube, der hier laut wird, ist kein erkämpfter Glaube, - er ist da, er ist von Anfang, er ist gleichsam eine ins Geistige zurückgetretene Kindlichkeit.

Eine Musikgruppe Namens „Ministry“ schrieb ein Lied, das sich NWO nannte, wo das selbe gefordert wird:
Keine Wertung zwischen Gut und Böse. Und wenn das so ist, dann können nur die die neutrale Position einnehmen, die keine Richtung vorgeben müssen, unbefangen sind.

Der Fall der verzögerten und im Organismus unausgebildeten Pubertät, als Folgeerscheinung der Degenereszenz, ist wenigstens den Physiologen vertraut.


- Ein solcher Glaube zürnt nicht, tadelt nicht, wehrt sich nicht: er bringt nicht "das Schwert", - er ahnt gar nicht, inwiefern er einmal trennen könnte. Er beweist sich nicht, weder durch Wunder, noch durch Lohn und Verheißung, noch gar "durch die Schrift": er selbst ist jeden Augenblick sein Wunder, sein Lohn, sein Beweis, sein "Reich Gottes".

Ein Glaube der all das nicht tut ist vorgelebtes Leben, erst recht, weil geschrieben steht (von Jesus), dass glauben ohne Werke (also das tun im täglichen leben) tot ist. Genau darauf kommt Nietzsche dann auch im nächsten Satz.
Und da durch das Leben an den Orten der Formel das Wunder ja manifestiert wurde, beweist er selbst jeden Augenblick sein Wunder, in seinem Reich, das via den Sternen definiert wurde, was das göttliche daran ist.

Dieser Glaube formuliert sich auch nicht, - er lebt, er wehrt sich gegen Formeln.

Genau hier spricht Nietzsche die Formel des Erlösers an, und geht davon aus, dass der Erlöser die Orte der Formel verlassen wird, die mit der Formel des Erlösers in Verbindung stehen, was auch geschehen ist – wie prophezeit.

Freilich bestimmt der Zufall der Umgebung, der Sprache, der Vorbildung einen gewissen Kreis von Begriffen:

Nietzsche schreibt Begriffe, meint aber Auserwählte, wobei das im Kontext das selbe ist, da selbst der Auserwählte ja durch das Erfüllen der erwähnten Formel des Sternzeichen Jungfrau zum Begriff wurde.


das erste Christentum handhabt nur jüdisch-semitische Begriffe (- das Essen und Trinken beim Abendmahl gehört dahin, jener von der Kirche, wie alles Jüdische, so schlimm mißbrauchte Begriff).


Aber man hüte sich, darin mehr als eine Zeichenrede, eine Semiotik, eine Gelegenheit zu Gleichnissen zu sehn.


Gerade, daß kein Wort wörtlich genommen wird, ist diesem Anti-Realisten die Vorbedingung, um überhaupt reden zu können.


Unter Indern würde er sich der Sankhyam-Begriffe, unter Chinesen der des Laotse bedient haben - und keinen Unterschied dabei fühlen.


- Man könnte, mit einiger Toleranz im Ausdruck, Jesus einen "freien Geist" nennen - er macht sich aus allem Festen nichts: das Wort tötet, alles, was fest ist, tötet.


Der Begriff der Erfahrung "Leben", wie er sie allein kennt, widerstrebt bei ihm jeder Art Wort, Formel, Gesetz, Glaube, Dogma.

Womit gesagt sein mag, dass auch der Erlöser Erfahrungen machen musste, und diese dadurch gewonnen Werte eben nicht anderweitig sich aneignen hätte sollen.

Er redet bloß vom Innersten:
"Leben" oder "Wahrheit" oder "Licht" ist sein Wort für das Innerste, - alles übrige, die ganze Realität, die ganze Natur, die Sprache selbst, hat für ihn bloß den Wert eines Zeichens, eines Gleichnisses.

Dass die Zufassammenfassung von Natur und Sprache eben Ort heißen kann, und verschiedene Orte dann mittels der Werteübertragung das Zeichen des Sternzeichen Jungfrau ergibt, die wiederum durch ihr scheinen, dem Licht der Sterne diese Wahrheit von oben auch unten wieder spiegelt, das ist die eigentliche Message.

- Man darf sich an dieser Stelle durchaus nicht vergreifen, so groß auch die Verführung ist, welche im christlichen, will sagen kirchlichen Vorurteil liegt: ein solcher Symboliker par excellence steht außerhalb aller Religion, aller Kult-Begriffe, aller Historie, aller Naturwissenschaft, aller Welt-Erfahrung, aller Kenntnisse, aller Politik, aller Psychologie, aller Bücher, aller Kunst, - sein "Wissen" ist eben die reine Torheit darüber, dass es etwas dergleichen gibt.

Auch für mich war es interessant, lange vor dem Jahr 2000 der einzige im Internet gewesen zu sein, der die Dinge wie beschrieben darstellte, wobei ich es viele Jahre zuvor etwas schützte, um besser damit umgehen lernen zu können.
Der Inhalt aber, was natürlich für die meisten als Torheit angesehen wurde, was auch der Sinn dessen ist, weil es ein Schutzfaktor darstellt, als Spinner zu gelten, und da schließt sich auch Nietzsche an.

Die Kultur ist ihm nicht einmal von Hörensagen bekannt, er hat keinen Kampf gegen sie nötig, - er verneint sie nicht ... Dasselbe gilt vom Staat, von der ganzen bürgerlichen Ordnung und Gesellschaft, von der Arbeit, vom Kriege, - er hat nie einen Grund gehabt, "die Welt" zu verneinen, er hat den kirchlichen Begriff "Welt" nie geahnt ... Das Verneinen ist eben das ihm ganz Unmögliche -.

Ein weiterer Schutzfaktor, der den Leuten jener Zeit klar macht, dass die voll gestopfte deutsche Kultur, die überall von den Zeichen des Erlösers trieft, sehr entfremdet werden sollten, um den Erlöser einerseits durch die jahrtausende erhaltene Kultur das Umfeld bereitet zu haben, andererseits in der Zeit der Wiederkunft ihm so viel wie möglich Ruhe zu ermöglichen.
Konkret steht hierfür der Amerikanismus, der somit ein Schutzfaktor für den Erlöser darstellt.

Insgleichen fehlt die Dialektik, es fehlt die Vorstellung davon, dass ein Glaube, eine "Wahrheit" durch Gründe bewiesen werden könnte (- seine Beweise sind innere "Lichter", innere Lustgefühle und Selbstbejahungen, lauter "Beweise der Kraft" -).

Dass hier so konkret die Lichter, die leuchtenden Sterne der Jungfrau, als beweise aufgeführt werden, ist von Nietzsche mutig und gewagt.

Eine solche Lehre kann auch nicht widersprechen: sie begreift gar nicht, daß es andre Lehren gibt, geben kann, sie weiß sich ein gegenteiliges Urteilen gar nicht vorzustellen ... Wo sie es antrifft, wird sie aus innerstem Mitgefühle über "Blindheit" trauern - denn sie sieht das "Licht" -, aber keinen Einwand machen ...

Wobei es hier sehr deutlich wird, dass wenn „Glauben“ „Werke schaffen“ oder „Gutes vorleben“ bedeutet, es eigentlich keinen anderen glauben geben dürfte, sofern man an einer Weiterführung des Lebens – einem zivilisierten miteinander - interessiert ist, also einem nach vorne gerichtetem Blick unter Koordinierung des Erlösers.


*

Es sei hierbei angemerkt, dass mit dem Erlöser* der Autor und Webmaster des Erloesungs Network gemeint ist, nämlich Alexander Kloos, der sich selbst nicht als Erlöser anssieht.